St. Katharina

Vor allem dient das neue Haus mit seinen Alterswohnungen als Auffangbecken der wachsenden «grauen Wohnungsnot». Bei Renovation können Senioren ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen und stehen plötzlich allein und obdachlos auf der Strasse.

Andere sind im LaufeRegulastrasse der Zeit auf Barrierefreiheit angewiesen. Hinzu kommt das Problem der Einsamkeit. Doch ein Umzug im hohen Alter und das Alleinewohnen muss nicht in die Einsamkeit führen. Auf jeden Fall nicht, wenn man der Vision Pfarrers Szczepański folgt: «Man wohnt selbständig und allein, aber nicht einsam. » In St. Katharina wird nicht nur Wohnraum für alte Menschen, sondern auch Gemeinschaft geschaffen. Mit anliegender Kirche, dem Restaurant im Begegnungszentrum s'käthy und einer Arztpraxis im unteren Geschoss werden die Bewohner zwangsläufig in das bunte Gemeindeleben integriert. «Das Haus dient dem Gemeindeleben und den Menschen in Not.»

Pfarrer Szczepański sieht eine gegenseitige Bereicherung und verfolgt ein ganzheitliches Gemeindekonzept, in dem nicht nur gebetet, sondern auch gegessen, verarztet, umsorgt, kommuniziert und gemeinsam im Lichte des Glaubens gelebt wird. Das ist Pfarreileben im Sinne des Evangeliums.

Bereits vor sechs Jahren wurden erste Überlegungen laut, dieses Bauprojekt zu starten. Von Chur kam grünes Licht, gegen die «graue Wohnungsnot» vorzugehen. Zunächst fehlte der Kirchenstiftung jedoch das nötige Kleingeld. Aufgrund eines grosszügigen Kredits des Stadtverbandes, vor allem Dank Andreas Meile und Janine Zurbriggen, konnte das Projekt schliesslich doch finanziert werden. Die Grundsteinlegung mit dem Segen des Generalvikars Dr. Martin Grichting feierte die Pfarrei am Patronatsfest 2017. Seitdem ist viel passiert. Auf einer Grundstücksfläche von 933 m² entstanden in einer Planungs- und Bauphase von insgesamt sechs Jahren 15 Alterswohnungen, die im Osten an die Kirche St. Katharina grenzen.

Auf vier Ebenen befinden sich zwölf Wohnungen mit jeweils zwei-einhalb Zimmern auf 60,1 - 62,6 m² und drei Wohnungen mit jeweils drei-einhalb Zimmern auf 79,7 - 83 m². Die Arztpraxis bietet zudem eine Gewerbefläche von 237,2 m² und wird eine Gemeinschaftspraxis mit drei Behandlungsräumen unterbringen. Die Wohnungen sind nach modernen Standards auf die Bedürfnisse der älteren Mieter abgestimmt, durchgehend barrierefrei und entsprechen den neuesten Umweltvorgaben. Aber bekommt das Home Sweet Home am Glockentrum nicht auch einen bitteren Beigeschmack bei so viel Lärm? Natürlich wurde durch moderne Architektur und Verdichtung auch der Lautstärke der Glocken entgegengewirkt. Die Architekturfirma heerassociates hat – gemeinsam mit den Bauberatern Marcel Barth und Matthias Hochuli – ganze Arbeit geleistet. Doch auch die Bauarbeiten, die nicht auf der Baustelle, sondern im Hintergrund geleistet wurden, dürfen nicht unerwähnt bleiben. So betont Pfarrer Szczepański seinen ausdrücklichen Dank an Christoph Kölble, der als Kirchenpflegepräsident sämtliche Weichen gestellt hat. Seine Vision, seine Unterstützung und vor allem sein Wohlwollen dem Projekt gegenüber hat den notwendigen Rückenwind gegeben. 

Seit März 2019 sind alle Wohnungen vermietet und können offiziell zum 1.7.2019 bezogen werden. Die Mieterschaft besteht aus einer bunten Mischung älterer Menschen, die aus ganz Zürich stammen. Man sollte ungefähr 60 Jahre oder älter sein – ansonsten gibt es keine konkreten Kriterien für ein Mietverhältnis. Auch eine katholische Kirchenmitgliedschaft ist nicht vorausgesetzt. Drei Wohnungen gehen in protestantische Hände. Verschiedene Kulturen und Charismen kommen in diesem Wohnhaus zusammen. Auch ein emeritierter Pfarrer, Peter Amgwerd, den die Gemeinde bereits von Vertretungsgottesdiensten kennt, ist unter den Mietern.

Am Sonntag, 7.7.2019 wird der Einzug offiziell gefeiert. Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst, woraufhin die Wohnungen gesegnet werden. Festreden eines Stiftung St. Katharina Mitgliedes als Bauherr, des Kirchenpflegepräsidenten, des Architekten, des Stadverbandes und der Präsidentin des Quartiervereins schliessen sich an. Alle Gemeindemitglieder, Nachbarn, Freunde und Interessierte sind herzlich zum Gottesdienst, zur offiziellen Einweihung und zum Pfarreifest eingeladen. Am Sonntag darauf ist übrigens die Lesung vom barmherzigen Samariter in der Leseordnung vorgesehen und erinnert uns daran: Wir sind alle nur Mieter auf Erden, mit einer Kirche als Herberge und dem Himmel als ewige Heimat.

Caroline Giovine